Leitlinien für inklusives Kinder- und Jugendreisen

1. Ziel der Entwicklung von inklusiven Kinder- und Jugendreisen ist es, allen Kindern und Jugendlichen ein vielfältiges, attraktives Angebot Reisen zu machen, um eine Auswahl zu ermöglichen, die sich an den Interessen der Kinder und Jugendlichen orientiert.

1.1 Das Angebot soll dabei sowohl hinsichtlich Träger als auch hinsichtlich Reisezielen, Reiseformaten, Inhalten, Dauer und Zeitpunkt der Reisen vielfältig sein. Dies bedeutet nicht, dass jeder Träger alles können und anbieten muss; doch was er anbietet, muss er können. Der Begriff „Angebot“ beinhaltet zugleich die Aufforderung zur Eigeninitiative und Aneignung der Teilnehmenden und betont die Freiwilligkeit der Teilnahme.

1.2 Der Weg dorthin ist ein Prozess, der viel Zeit braucht und aus vielen kleinen Schritten besteht. Es geht daher nicht darum, einzelne Angebote oder Schritte zum Ziel als richtig oder falsch, als inklusiv oder nicht-inklusiv zu bewerten, sondern sie permanent selbstkritisch zu reflektieren.

2. Grundlage allen Handelns ist ein wertschätzender, nicht-diskriminierender Umgang miteinander, der zugleich Unterschiedlichkeiten nicht ignoriert oder nivelliert. Ein aufmerksamer, ressourcenorientierter Blick auf jede*n Einzelne*n, genaues Wahrnehmen und gegenseitiges Ernstnehmen sind Ausgangspunkte zur Ermittlung der jeweiligen Interessen und Bedarfe, um die Handlungsfähigkeit jeder*jedes Einzelnen zu stärken.

3. Kinder- und Jugendreisen sind ein Bildungsort. Ausgehend von der jedem Menschen unterstellten Fähigkeit zu Selbstverantwortung und Selbstbestimmung, stellen Subjektorientierung, Partizipation, Empowerment und Freiwilligkeit vier zentrale Elemente einer Pädagogik des inklusiven Kinder- und Jugendreisens dar.

4. Die Durchführung inklusiver Kinder- und Jugendreisen beruht grundsätzlich auf einer soliden Planung, gut qualifizierten und vorbereiteten Mitarbeiter*innen, einem angemessenen Mitarbeiter-Schlüssel und einer professionellen Unterstützung der Ehrenamtlichen.

4.1 Ein konstitutiver Wesenszug des Reisens ist es, sich Ungewissheit auszusetzen, sowie überhaupt ein elementarer Bestandteil allen pädagogischen Handelns der Umgang mit Ungewissheit ist. Diese Ungewissheit ist als Lernchance für alle Beteiligten wahrzunehmen: für die Teilnehmenden, die Mitarbeiter*innen, die Eltern / Sorgeberechtigten und den Träger. Dabei sind Herausforderung und Überforderung gegeneinander abzuwägen. Ungewissheit bedeutet auch Unplanbarkeit, daher ist bei aller Planung im Voraus auch Raum für Flexibilität notwendig. Um eine Reise so gestalten und Ungewissheit auch als Freiheit wahrnehmen zu können, brauchen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen den Rückhalt des Trägers, Transparenz und Klarheit bezüglich ihrer Entscheidungskompetenzen und Verantwortlichkeiten und ein verlässliches Notfallmanagement.

4.2 Elternarbeit ist einerseits Vertrauensarbeit, ohne die Kinder- und Jugendreisen nicht geht. Andererseits ist bei der Arbeit und dem Informationsaustausch mit den Eltern / Sorgeberechtigten im Blick zu behalten, dass Familien auch eigene Systeme sind, in denen beispielsweise die Sorge um ein behindertes Kind eine bestimmte Funktion und jedes Mitglied eine bestimmte Rolle hat.

5. Generell gilt:

5.1 Das Wissen und die Erfahrungen aus Behindertenhilfe und Jugendarbeit (bzw. aus den Bezugsdisziplinen Sonder-/Heilpädagogik und Sozial-/Allgemeine Pädagogik) sind zu nutzen und ergänzen einander.

5.2 Die Umsetzung von Inklusion erfordert ständige kritische Selbstreflexion.