3 Jahre „Inklusiv unterwegs“ – 3. Fachforum zieht (Zwischen-)Bilanz zum Projektabschluss

3 Jahre „Inklusiv unterwegs – Zwischenstände, Ergebnisse und Ausblicke“ – unter diesem Motto stand das dritte und letzte Fachforum des Projektes „Inklusiv unterwegs – Initiative inklusives Kinder- und Jugendreisen in NRW“. Zum offiziellen Projektabschluss versammelten sich am 13. September 2017 rund 50 Praktiker*innen der Behindertenhilfe und Jugendarbeit, Vertreter*innen von Unterkünften und Kommunen sowie weitere Akteur*innen des Kinder- und Jugendreisens an der TH Köln.

Zum Auftakt der Veranstaltung nutze Sandra Pavek als Vertreterin des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen die Gelegenheit, um sowohl auf das Projekt „Inklusiv unterwegs“ als auch auf die beiden anderen vom Ministerium geförderten und bereits 2015 und 2016 abgeschlossenen Partnerprojekte „Under Construction“ und „Inklusion in der Jugendförderung“ zurückzublicken. Pavek hob die Bedeutung der drei Pilotprojekte für die Praxis aber auch auf Landesebene hervor und berichtete, dass die Projektergebnisse u.a. in der Neuauflage des Kinder- und Jugendhilfeplans des Landes NRW Berücksichtigung finden werden. Von Seiten der Projektleitung übernahm Andrea Platte die Begrüßung der Anwesenden. Mit dem Bild der „Freiräume und Momente der Bildung“ beschrieb Platte inklusive Kinder- und Jugendreisen als ein Feld der Kinder- und Jugendarbeit, das in besonderem Maße Freiräume und Momente der Bildung sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen bereithält.

Nach dieser positiven Einstimmung in den Tag warfen Andreas Rosellen (transfer e.V.), Judith Dubiski und Stefanie Vogt (TH Köln) eine Blick zurück auf die Aktivitäten und Erfahrungen aus drei Jahren Projekt- und Forschungsarbeit im Netzwerk „Inklusiv unterwegs“ sowie im Fachkräftepool NRW und präsentierten mit einem herzlichen Dankeschön an alle Mitautor*innen die gemeinsame Projektdokumentation „Inklusiv unterwegs – im Netzwerk, im Fachkräftepool, in de Forschung“.

Unter dem Titel „Alles auch ganz anders? Beobachtung von Nicht-Alternativlosigkeiten“ gab Judith Dubiski (TH Köln) einen Einblick in die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung und Forschung im Rahmen des Projektes. In ihrem Vortrag verband sie die Ergebnisse ihrer Literaturrecherche zu den im Netzwerk geführten Diskussionen um unterschiedliche Begriffsverständnisse in Jugendarbeit und Behindertenhilfe bzw. in Sozial- und Heilpädagogik mit den Ergebnissen ihrer teilnehmenden Beobachtungen auf inklusiven Jugendfreizeiten. Aus dieser Verknüpfung leitete sie Hinweise auf einen Bildungsbegriff ab, der niemanden von Bildung ausschließt und auf die in Praktiken zwischen Menschen enthaltene Anschluss- und Kritikfähigkeit fokussiert.

Wie inklusive Reisepraxis durch ziel- und bedarfsgerechte Beratung (weiter-)entwickelt werden kann, stellte Andreas Rosellen (transfer e.V.) in seiner Rückschau auf drei Jahre Coaching von Organisationen des pädagogischen Kinder- und Jugendreisens im Fachkräftepool vor. In den anschließenden interaktiven Workshops konnten die Teilnehmenden des Fachforums ergänzend hierzu nochmals genauere Einblicke in die Beratungsprozesse, Erfahrungen und Ergebnisse der Coachings im Rahmen des Fachkräftepools gewinnen. Gunnar Grüttner (Deutsches Jugendherbergswerk Hauptverband e.V.) gab am Beispiel des deutschen Jugendherbergswerks Einblicke in die strategische Umsetzung von Inklusion auf konzeptioneller Ebene. Peter Rischard und Anna Hönig (Evangelische Jugend Monheim) diskutierten mit den Workshopteilnehmer*innen die inklusive Gestaltung der Praxis des Kinder- und Jugendreisens aus Perspektive eines Reiseanbieters. Die Perspektive der Behindertenhilfe bei der Umsetzung von inklusiven Ferienfreizeiten beleuchteten Alexandra Prior (Lebenshilfe Rhein-Sieg e.V.) und Barbara Grabowsy-Skibbe (Mit-Menschen Wuppertal e.V.) in ihrem Workshop.

Höhepunkt und Abschluss des diskussionsreichen Tages war die Präsentation des Handlungskonzepts zum inklusiven Kinder- und Jugendreisen, welches in einem intensiven dreijährigen Arbeits- und Diskussionsprozess im Netzwerk „Inklusiv unterwegs“ sowie im projekteigenen Arbeitskreis „Austausch zwischen Behindertenhilfe und Jugendarbeit“ erarbeitet wurde. Frank Scheider (Lebenshilfe Bonn gGmbH) und Ulrike Werner (IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.) stellten das Handlungskonzept angereichert durch viele Anwendungsbeispiele als Vertreter*innen des Netzwerks vor. Das Handlungskonzept richtet sich an die Szene des Kinder- und Jugendreisens, einzelne Träger sowie hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen und soll eine Grundlage für die individuelle Auseinandersetzung mit der inklusiven Entwicklung der Praxis des pädagogischen Kinder- und Jugendreisens darstellen. Hierzu wurden Leit- und Handlungsziele formuliert, in konkrete Maßnahmen operationalisiert und Reflexionsfragen regen zu Austausch und Diskussion an.

Den Ausblick und zugleich Versuch einer strukturellen Verortung des inklusiven Kinder- und Jugendreisens übernahm Andreas Thimmel in seiner Funktion als Projektleiter. Thimmel hob zum Abschluss des dreijährigen Praxisentwicklungs- und Forschungsprojekts nochmals besonders die Bedeutung des interdisziplinären Austauschs in einem offenen, von Neugier und fachlichem Interesse und nicht durch enge Zielvorgaben geprägten Prozess hervor, wie er im Netzwerk, im Fachkräftepool und in der wissenschaftlichen Begleitung gepflegt wurde. Gemeinsames Fazit war, dass die fachliche Diskussion um inklusives Kinder- und Jugendreisen auch über den Projektabschluss hinaus weitergeführt werden muss und hierfür der intensive Austausch zwischen den verschiedenen Akteur*innen ein wichtiger Baustein hin zur Entwicklung inklusiver Strukturen und Konzepte sowie zum Auf- und Ausbau von Kooperationen zwischen Behindertenhilfe und Jugendarbeit eine grundlegende Voraussetzung ist.

Hieran setzte das Netzwerkprojekt „Inklusiv unterwegs – Initiative inklusives Kinder- und Jugendreisen in NRW“ erfolgreich an, indem es den unterschiedlichen Akteur*innen im Feld des pädagogischen Kinder- und Jugendreisens in NRW eine Plattform für den gemeinsamen und themenorientierten Austausch bot und auch weiterhin bieten will. Das Netzwerkprojekt wurde vom Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung (www.nonformalebildung.de) der TH Köln unter Leitung von Prof. Dr. Andrea Platte und Prof. Dr. Andreas Thimmel koordiniert und wissenschaftlich begleitet und durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen von November 2014 bis September 2017 gefördert.

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